LB 28 Tansania

Tansania stand im Oktober 2015 im Mittelpunkt des Monats der Weltmission, den missio mit bundesweiten Kampagnen begleitete. Besondere Aufmerksamkeit galt daher der Lage der Menschenrechte und dem Stand der Religionsfreiheit in dem Land, das mehr als 120 verschiedene Ethnien und die beiden großen Religionen Islam und Christentum unter einem nationalen Dach vereint.

Das Jahr 2015 war weichenstellend für die weitere Zukunft Tansanias. Für Ende Oktober waren Parlaments- und Präsidentschaftswahlen vorgesehen, die ihren Schatten seit Monaten vorauswarfen. Der auf halber Strecke stecken gebliebene Verfassungsreformprozess, der im April dieses Jahres mit einem landesweiten Referendum hätte beschlossen werden sollen, wurde von der Regierung auf unbestimmte Zeit verschoben. Die politische Atmosphäre hat sich sukzessive zugespitzt und immer häufiger wurden mit Blick auf die Wählerstimmen auch religiöse Themen politisch vereinnahmt.

Seit der Unabhängigkeit im Jahr 1961 gilt Tansania als ein Stabilitätsanker in der von vielen verschiedenen Konflikten geprägten ostafrikanischen Region. Die friedliche Koexistenz der beiden großen Religionen und unterschiedlichen Kulturen wurde oft als Musterbeispiel für Pluralismus und religiöse Toleranz gerühmt. Doch seit wenigen Jahren mehren sich deutliche Anzeichen für tiefer liegende religiöse Spannungen in Form von gewalttätigen Übergriffen auf religiöse Führer beider Religionsgruppen sowie auf Kirchengebäude. Vor allem im Jahr 2012 kam es in Sansibar vermehrt zu öffentlichen Protestversammlungen gegenüber dem Staat im Zusammenhang mit der Frage der Union. Auch auf dem Festland berichteten Medien zunehmend von einer religiösen Radikalisierung im Zusammenhang mit Protesten gegen die verbreitete Korruption, Armut und Perspektivlosigkeit. Die tansanische Gesellschaft befindet sich zurzeit in einem politischen Spannungsfeld, dessen jederzeit mögliche Entladung große Risiken für den vielgerühmten religiösen Pluralismus, die friedliche Koexistenz der Religionen und schließlich für die nationale Einheit des Landes birgt.

Die Studie befasst sich daher mit dem Verhältnis von Religion und Politik, fragt nach den Hintergründen der Vereinnahmung von Religion durch Politik sowie von politischen Themen durch Religionsvertreter und betrachtet von hier ausgehend den Stand von Säkularismus und Religionsfreiheit in Tansania. missio wird das friedliche Miteinander der verschiedenen Religionen und Kulturen in Tansania mit seiner internationalen Projekt- und Kampagnenarbeit weiterhin fördern und unterstützen. (2015)

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Artikel-Nr. 0600536
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